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»» TM-Story VII 1978
1978... wir bringen Bremen wieder ins Laufen!
Da man mich so schön abservierte und ich auch beruflich viel zu tun hatte war ich als Lauffunktionär nicht mehr so häufig tätig. Hielt aber meiner Trainingsberatung weiter aufrecht und lief mindestens dreimal pro Woche in meinen geliebten Wäldern und auf Volksläufen.. In Politik und Werbewirtschaft und der Unternehmensberatung lagen jetzt die eigentlichen Aktivitäten und ich kletterte die Erfolgsleiter immer weiter nach oben. Bis dann... lese weiter!
Vor mir saß im Sommer 1977 einer unserer vielen Geschäftspartner, schaute mich verwundert aus seinen dicken Brillengläsern an und zog heftig an der Zigarre. "Herr Spies ich verstehe das nicht, sie sind auf dem Weg zum Millionär. Warum wollen sie denn nicht weitermachen?" Ich saß ihm mit meinen 99,5 kg Gewicht im bequemen Ledersessel, in seinem mit Mahagonimöbeln ausgestatteten Büro, gegenüber und beantwortete die Frage so: "Herr . . . . ihr Hobby ist Geldverdienen mein Hobby ist das Laufen." Er schüttelte nur den Kopf und konnte das nicht verstehen. Ich war gerade dabei meinen Anteil von 49% an das größte Vertriebunternehmen für Anzeigenblätter im Wirtschaftsraum Bremen abzugeben. Gestreßt, stark übergewichtig mit Diabetes und ersten Herzproblemen waren wir im wirtschaftlichen Auf- und im gesundheitlichen Abstieg. Die Poltilik wollte mich haben, Stadtrat in einer hessischen Kleinstadt sollte ich werden und die neun Ehrenämter ( u.a. 2 Vorsitzender und Leiter des Organisations-Ausschusses im Verband der Deutschen Werbemittel-Verteiler-Organisation) forderten ihren Tribut. Nur durch mein dreimaliges Laufen und viel Ergometertraining in der Woche hielt ich den Streß aus und hätte wohl schon längst die Gewichtsklassen meines Vaters (155 kg.) bzw. meiner Großmutter (130 kg) erreicht! Wir verkleinerten in den nächsten Jahren unsere Werbeagentur und den Zeitungsvertrieb, verkauften unsere Villa in Bruchhausen-Vilsen und zogen wieder an den Rand von Bremen. Endlich hörten die Autofahrten, jeden Morgen nach Bremen und abends wieder zurück, der Vergangenheit an. Das waren täglich mindestens 1 1/2 Stunden Zeitgewinn! Macht im Jahr bei einer 5 Tagewoche (die gab es bei mir, außer im Urlaub, aber nicht!) so rund 375 Stunden. Da kann man dann auch ca. 4000 Laufkilometer und mehr Lebensqualität und Gesundheit gewinnen liebe Lauffreunde!
Irgendwie hatten meine alten Sportkameraden erfahren, dass ich wieder mehr Zeit zur Verfügung hatte. Der Bremer Volkslauf war mit unter 900 Teilnehmern total runtergewirtschaftet und so hatte man wohl 1978 die Idee, den unbequemen Heinz Spies wieder zu aktivieren. Nach reiflicher Diskusionen mit meiner Frau, die auch schon in den sechziger Jahren immner fleißig und in verantwortlicher Position bei dem Sportbetrieb mitgeholfen hatte, sagten wir zu. Schließlich war der Volkslauf ja unser Kind, das wir immer noch liebten und nicht sterben lassen wollten. Mit Jürgen Krüger vom Post SV machte ich eine Situationsanalyse. Es konnte gelingen. So ging es wieder mit der Arbeit los und das Ergebnis war, dass im 1979 dann gleich wieder die dreifache Teilnehmerzahl, so um die 2400 Wanderer, Sportgeher und Läufer erreichten das Ziel. Damit waren wir wieder der damals zur Zeit größte Volkslauf im Großraum Bremen. Gelobt wurde die mustergültige Organisation. Parallel dazu gründete ich im gleichen Jahr und in Zusammenarbeit mit der Universität Bremen eine Laufschule mit Lauftreff. (Davon liefen bis vor wenigen Jahren ca. 30 %!) Natürlich machten wir auch beim Lauftreff des Post SV Bremen mit. Dort wurde immer die selbe Runde gelaufen und meistens lief die Gruppe auch ein gleiches Tempo mit zu schnellem Beginn und einem Schlußspurt. Da gefiel mir nun aber ganz und gar nicht und so führte ich beim Lauftreff sehr behutsam den Trainingsmix ein! Das führte dazu, dass der Lauftreff sich immer mehr entwickelte und wir schließlich bis zu 150 Läuferinnen bzw. Läufer zwei- bis dreimal in der Woche beim Marcusbrunnen am Parkhotel im Bremer Bürgerpark begrüßen konnten.
Der Marathonboom startet! Meinen ersten Marathon lief ich 1960 im Training so um die 2:48 Std. im Traininsanzug aus dem Mittelstreckentraining im Bremer Stadtwald auf unserer 2765 Meter - Runde. Da wir nach dem van-Aaken- und Lydiardprinzip lange Läufe am Wochenende durchführten war das kein Problem. Den ersten offizielle Marathon am Baldenysee lief ich dem Verein zuliebe für die SV Werder-Mannschaft als Ersatzmann. Da es kalt war natürlich wieder im Trainingsanzug. Bei km 25 stand der Lauftrainer und rief mir zu:, "Heinz, Meyer ist raus du bist in der Wertung, zieh den Trainingsanzug aus und lauf schneller!" Gesagt, gatean und damit die nächsten 5 km wohl unter 16 Minuten! Von einem Mann mit dem Hammer wußte ich nichts und er traf mich dann bei km 32 mit voller Wucht. Nur mit Mühe und Not kam ich in 2:40:28 Std. ins Ziel und schwor: "Nie wieder" Es sollte ganze 18 Jahre dauern, bis ich wieder die Königsstrecke der Langstreckenläufer lief.
Vom Bürgerparklauftreff planten einige Läufer 1977 einen Marathonlauf im nächsten Jahr in Wolfsburg zu laufen. Ich sagten mit meinen knapp 100 kg zu der Gruppe: "Ihr könnt doch bei dem Training keinen Marathon laufen!" Die schauten mich verwundert an und dachten sich wohl, was kloppt der denn da für Sprüche! Dann wurden auch noch Zeitprognosen von 3:30 Std. genannt, worrauf ich nur den Kopf schüttelte und prophezeite, dass die Jungs das nicht schaffen könnten. "Nun, dann mache ich mit und trainiere auf 3:30" sprach ich und jetzt verstand keiner die Welt mehr. Nur Ernst Stahl mein alter Laufkumpel aus den fünziger und sechziger Jahren sagte: "Nehmt euch vor dem Heinz in acht. Der macht das wahr!" Im nächsten Jahr (1978) lief ich dann in Wolfsburg genau 3:30 Std. und erst 45 Minuten nach mir kam der erste der Gruppe ins Ziel. Jetzt wollten natürlich alle genau mein Training mitmachen und zum Schluß, so gegen 1985 hatten wir über 80 Marathonläufer/innen in der Gruppe. Also ca. 50 % vom Lauftreff des Post SV/LTB! Alle liefen unter 4 Stunden, einige unter 3 Stunden. Sogar meine Frau (W 45) erreichte in Berlin 3:43! Wieder ein Beweis für Trainingsmix!
In New York (eigentlich schon in Bosten/USA 1906) wurde 1976 das Recht des fließenden Kraftfahrzeugverkehrs auf öffentlichen Straßen für Laufgroßveranstaltungen eingeschränkt. 1981 zogen dann Frankfurt, Duisburg und Berlin nach. Natürlich waren wir als Teilnehmer dabei! (So bin ich in Berlin die ersten 10 Stadtmarathonläufe alle mitgelaufen!) Nico Olk, einer der Gruppenleiter beim Post SV-Lauftreff, meinte dann, das sollten wir auch hier in Bremen veranstalten und der Heinz könnte das ja organisieren. Dabei führten wir, vom Post SV/LTB, schon so um die acht Laufveranstaltungen pro Jahr (später waren es 12) durch. Das Spiel vom 1. Bremer Volkslauf aus dem Jahr 1966 wiederholte sich. Bei vielen Läufen durch das Bremer Blockland suchten wir die ideale Strecke. Wir führen auch eine Befragung mittels einer Postkartenaktion durch. Hierbei wurde auch nach einen Namen für das Maskottchen des Bremen-Marathon gesucht. Wir entschieden uns erst für Michael Spöttels Vorschlag "Marathonix" und ich machte dann "Marathonia und Marathoni" daraus. Ich half eine Woche im Berliner Marathonbüro mit, um die Organisation zu studieren. Auch zu dem Organisationskomitee von Frankfurt hielt ich Kontakt. Die hatten zu Anfang einen Etat von, 1,75 Millionen DM, während Berlin "nur" 100.000 DM Zuschuß erhielt. Ich erabeitete als "Racedirektor ohne Gehalt" den Organisations- und Personalplan und kam zu den Schluß, dass wir bei einem Etat von ca. DM 140.000 mindestens DM 80.000 als Zuschuß benötigen. Damit zogen wir nun in die Öffentlichkeit und stellten auf einer Tagung des BLV das Modell: "Bremen-Marathon... durch Stadt und Land" vor. Der Vorstand lehnte es ab, uns beim Marathon zu unterstützen und die Holzköpfe, die wohl gar nicht twußten, was sich da weltweit und in Deutschland entwickelte verweigerten auch noch die Zustimmung als zuständiger Fachverband für den Zuschuß! Lediglich DM 40.000 wurden vom Landessportbund und der Sportdeputaion genehmigt und das auch nur mit dem Argument , dass die Bremische Wirtschaft von den Marathontouristen profitieren würde. Da wir uns üblichen Stargeldstandard anschließen mußten und die Sponsoren mehr Sachleistungen als Geld einbrachten, war ein Minus programmiert. Was blieben den Dickkopf Heinz Spies und seiner lieben Frau übrig, wir sagten zu, sponserten die fehlenden DM 40.000 (jedes Jahr!) und los lief es.
Was haben wir erfahren?
Gesundheit geht vor Geld! ... Man soll nie "nie" sagen!... Auch kleine Hunde beißen gut...
Siehe Fortsetzung TM Story VIII 1982
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