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»» TM-Story VI 1960

1960 - 1967 Als Trainer, Läufer + Cheforganisator in der Erfolgsspur

Als Lauftrainer hatte ich beim Polizei Sportverein Bremerhaven meinen Schüler Klaus Hermannin die Erfolgsspur gebracht. Er vertraute der Trainingsmix-Methode und verbesserte sich von Jahr zu Jahr. Das hatte sich auch in Bremen herumgesprochen und so bat mich der Bremer Leichtathletik Verband das Lauftraining für die Mittel- und Langstreckler als Verbandstrainer zu übernehmen. Dazu musste die A-Trainerlizenz erworben werden. Ich nahm also an einem mehrmonatigen Lehrgang an der Uni  Mainz teil. Hier lernte ich Prof. Benno Wischmann, Armin Harry und Martin Lauer kennen. Der Professor war für die Ausbildung verantwortlich und die Weltklasseathtleten gaben uns Einblicke in ihr Training. Ich lernte das Hürdenlaufen, den Diskus bzw. Speer zu werfen... aber nicht viel über den Langstreckenlauf! Beeindruckend war das harte Training von Martin Lauer (Hürdenlauf) und Armin Harry (Weltrekord über 100 Meter als erster Mensch in 10,0 Sekunden auf Aschenbahn!) So warf Armin Harry einen Medizinball hintereinander 30 - 50 x in die Höhe, ging nach dem Auffangen in die Hocke und schnellte sich wieder hoch. (Eine ähnliche Übung haben wir heute in der Keniagymnastik... "Vatermörderübung" genannt, wie aber auch das steile Hügellaufen in Kenia bezeichnet wird).

Ach da ist ja noch was zu erwähnen: Als ich mit dem Leistungstraining aufhörte nahm ich sehr rasch  an Gewicht zu und brachte im April 1962 dann 86 kg. auf die Waage!  Das war für einen Lauftrainer kein schöner Anblick und so begann eine erstaunliche zweite Laufkarriere. Da ich wieder mit meinen Jungs beim Training mitlaufen wollte, stellte ich das Crossrad in die Ecke und trainierte genau nach der Dauerlauf-Methode des Dr. van Aaken und mischte diese mit dem Hügellauftraining Lydiard, dem langsamen Intervalltraining wie es Emil Zatopek uns vorgeführt hatte und nach den Tempotabellen aus dem Laubuch von Toni Nett.

Nun staunt liebe Läufer und Lauftrainer:

Testlauf im April 1962   mit 86,0 kg  > 3000 Meter in 13:13,4
Testlauf im August       mit 76,5 kg  > 3000 Meter in 10:27,2
Bahnlauf im November   mit 68,0 kg  > 3000 Meter in   9:46,4
Bahnlauf im April 1963   mit 66,2 kg  > 3000 Meter in   9:01,0
Bahnlauf im Mai           mit 65,5 kg   >  3000 Meter in  8:53,0 in Groningen/Holland (Bestzeit)
20,5 kg hatte ich in gut einem Jahr abtrainiert!

Alle Laufzeiten von 2000 Meter bis hin zum Stundenlauf aus den vergangenen Laufjahren wurden zum Teil erheblich verbessert. Die "Arthur Lydiard-Truppe",so nannten sich damals unsere Trainings-Gruppe, rannte alles hier in Bremen in Grund und Boden. Wir hatten alleine 8 Läufer bei den von uns betreuten jungen Mittelstrecklern, die 1000 Meter unter 2:30,0 liefen.  Eine ganze Reihe von Bremer Rekorden wurden geknackt, die heute (2008) noch Bremer Rekorde sind!! Wir stellten geradezu unglaubliche Ermüdungswiderstand-Indexe auf über die sogar Bundestrainer den Kopf schüttelten. (Das wiederholte sich in den 1990er Jahren dann auch bei der Werder-Runners-Truppe). Auch ich gehörte nun wieder zu den besten Bremer Mittel- und Langstreckler und konnte als Trainer beim Lauftraining wieder vorne mitlaufen. Man wird es nicht glauben, trotz der Erfolge wurde unsere erfolgreiche Trainingsmethode immer wieder vom Verband angegriffen und wenn wir das Hügellauftraining machten, wurden wir verhöhnt und ausgelacht. Erst Jahre später übernahmen einige Lauftrainer das Hügellauftraining. Tempoläufe wurden aber immer noch im hohen Umfang weiter gebolzt. Einige lernen es nie!

Zum Schluss meiner Laufbahn als Leistungsläufer hatte ich folgende Zeiten stehen. Dabei habe ich in Klammern meine ersten Zeiten ab 1952 eingefügt, damit Du siehst, dass ich kein Lauftalent war. Wieder ein Beweis für die Güte der Methode Trainingsmix! Mein Lebensziel die 3000 m unter 9 Minuten habe ich im Laufe der Jahre 5 x erreicht. Schnitt der besten 10 Läufe liegt unter 9 Minuten. Na also!
400 m (fliegender Start) 55,7  (63,0) Also mit Tiefstart wohl so um die 56.5
800 m        1:59,6    (2:36,7) ...
wer bitte knackt diesen 400/800  Meter Ermüdungswiderstandindex 56,5 x 2 + 6,60 ?  Auch Jürgen + Juray vom TM-Team haben ähnliche Werte! Im Halbmarathon erreichten Juraj und Jürgen in den 1^990er Jahren einen Wert von 10 km zu HM von knapp über 4 Minuten! Hailles Wert beträgt knapp über 6 Minuten!
1000 m        2:33,6    (3:45,0) (Die 2:33,6 wurde in der Staffel gestoppt.Sonst 2:36,4)
1500 m        4:00,4   
(5:20,0)
2000 m       
5:40,5
3000 m        8:48,4   
(11:20,0) Inoffiziell 8:36,0 bei dem  Olympiakader-Training.
5000 m       15:23,2    (18:24,6) schon etwas im Training. Selten gelaufen.
4,0  Km      11:57,6    Genau vermessener Geländelauf im Modernen 5-Kampf.
                              1380 Punkte und 1. Platz
10.000 m    32:48,6   
(37:28,0) die 10.000 wurden nie voll auf Tempo gelaufen.
                               Nur Spurtrennen.
Stunde:      17850 m   (15862m) schon etwas im Training
25 km        
1:26:04    
(1:58:00)  damals gab es keinen Halbmarathon.
                               Ich wäre den Halbmarathon wohl so um die 2:11 gelaufen.
Marathon:  
2:40:22    ohne Marathontraining und dabei bis km 25 im Trainingsanzug
Im Training schon mal 1960 in 2:48:15. Erst ab 1978 ernsthaft auf Marathon trainiert. 55 Marathonläufe und mit 50 Jahre noch unter 3 Stunden. Mit 70 Jahre nach schwerer Herzerkrankung mit 4 Bypässen in Athen dann den letzten (?) Marathon gelaufen/gegangen (Reine Zeit ohne Pausen 5:54) mit Pausen wegen Blutzuckermessungen und besorgen von Coca Cola an einer Tankstelle, in brutto 6:04 Std. (Mein Gewicht beim START = 83 kg)

Die beste Leistung waren wohl die 2:59.36 1984 in Leeds bei einer 10 km Bestzeit in diesem Jahr von 38:15 und einem Gewicht von 82 kg (also 21 kg über mein früheres
Renngewicht!) Den Abend zuvor habe ich mit den englischen Sportfreunden wohl so um die 10 Glas Bier getrunken! 

Crosslauf die natürliche Art des Laufens

Durch die Erfolge unsere Lydiard-Truppe bestärkt, wagten wir uns nun auf ein für uns völlig neues Terrain vor. Schon lange hatten wir das Hügellauftraining von Lydiard  modifiziert. Wir liefen nun nicht mehr im Sprungschritt den "Autobahnhügel" im Blockland hoch, sondern zogen den Schritt in die Länge. Dabei achteten wir darauf, dass die Knie trotzdem beim Hügellauf hochgezogen wurden. Das war natürlich ein unökunomisches provokatives Laufen aber durchaus so gewollt. Im Wettkampf liefen wir dann natürlich, wenn Steigungen auf der Strecke waren, mit einem ökonomischen Laufstil die Hügel oder Berge hinauf. Zurück zum Hügellauftrai ning. Da es uns zu langweilig wurde, immer wieder den selben Hügel hochzulaufen, wechselten wir einmal im Monat zum Rodelhügel am Werdersee. Dort gab es einen Badestrand (auch heute noch!) und so dauerte es nicht lange, bis wir Trainingsrunden liefen in denen der Badestrand, die Strandwiesen und der Hügel eingebaut waren. Schon lies Cerutty grüßen, denn nun  hatten wir das vollkommende Trainingsgelände gefunden.

Weltweit wurden die Crossläufe immer populärer. Von England, dem Mutterland des Crosslaufes hatte sich das natürliche Laufen im Wettkampf über Belgien nach Deutschland verbreitet. In Berlin gab es seit 1964 den "Teufelsberg-Cross" mit dem Wildschein aus dem Grunewald als Symbol. In Hamburg-Harburg gab es den Haake-Cross und auch Darmstadt hatte einen bekannten Crosslauf. Warum nicht auch in Bremen? Wieder waren die Funktionäre dagegen und erhoben Einspruch, als wir es 1966 wagten, bei Ausrichtung der ersten Bremer Crossmeisterschaften (früher gab es ja nur Waldlauf-Meisterschaften) einen künstlichen Wassergraben einzubauen und Strohballen aufzustellen, die übersprungen werden mussten. Wer setzte seinen dicken Kopf mal wieder durch? Natürlich der Heinz mit seinen Laufkameraden vom Post Sportverein Bremen.

1. Norddeutscher Volkslauf 1966 in Bremen... 3865 im Ziel!

Längst waren wir von Werder Bremen, wo ich übrigens das Lauftraining auch für die Bundesliga-Mannschaft übernommen hatte, zum Post SV gewechselt, weil unser Wunsch zur Durchführung eines Volkslaufes vom Verein und Verband abgeschmettert wurde. Doch da gab es ja noch meine guten Kontakte zum Bremer Fußballverband. Der unterstützte unser Vorhaben. So konnten wir dann 1965 nach Bobingen bei Augsburg reisen, wo Otto Hosse mit Herwig Leitner, Ernst Wolf  & Co. schon seit 1963 Volksläufe durchführte. Die Idee hatte er von den Schweitzer Waffenläufen mitgebracht. Wir, das waren Rudi Kotyrba. mein  Bruder Jürgen  und ich, nahmen also daran teil und liefen mit weit über 1500 durch den Siebentischenwald. Wir drehten auch mit einer Schmalfilmkamera einen Lehrfilm, den wir hier in Bremen vorführten. "Heinz, die Bayern die rennen nur doch wegen der Medaillen. So etwas wollen wir hier in Bremen nicht" sagte der damalige Vorsitzende des BLV und seine Funktionäre nickten dazu. Nur Herr Scherbarth,mein erster Lauftrainer ab 1952, der jetzt auch Lauftrainer für Frauen war, fand die Idee gut. Er ermunterte uns auch, die Frauen über 800 Meter hinaus laufen zu lassen. Auch dagegen war der BLV und wir verloren die Kampfabstimmung. "Eher trete ich von meinem Posten zurück" sprach die Frauenwartin. So gaben Herr Scherbarth und ich von unsere Posten als Lauf-Landestrainer ab und der Post SV richtete den ersten Volkslauf in Bremen mit Unterstützung der Sparkasse in Bremen und der AOK Bremen aus. Einer der Gründe für meinen Einsatz war, dass man Lauftalente auf Volksläufe entdecken könne. So war es dann auch und fast alle meiner alten Laufkaneraden sind durch den Volkslauf erst zum Laufen gekommen.
Es wurde ein Riesenerfolg! So etwas hatte es in Norddeutschland noch nicht gegeben. Über 4000 hatten gemeldet und 3865 Wanderer, Sportgeher und Läufer erreichten 1966 das Ziel am Werdersee! Wer fehlte, waren die Kampfrichter des BLV und auch von den hohen Funktionären lies sich keiner sehen. Was uns fehlte, war etwas mehr Geld zur Durchführung der Organisation. Otto Hosse hatte uns gebeten versilberte Medaillen (davon für die ersten zehn Prozent im Ziel mit Goldrand) auszuhändigen um Veranstalter in den Folgejahren eine Qualitätsvorgabe zu geben. Übrigens waren die Augsburger mit Mann (Frau) und Maus dabei, um uns bei der Organisation des damals größten Volkslaufes der Welt zu helfen. Im nächsten Jahr regnete es das ganze Wochenende in Strömen und trotzdem waren wieder 3785 im Ziel. Viele Delegationen von Leichtathletikvereinen aus ganz Deutschland waren nach Bremen gekommen, um die Organisation zu studieren. Der Aufbruch der Laufbewegung in neue Dimensionen hatte begonnen.
Ich betreute auch weiterhin die Leistungsläufer, führte Laufseminare durch und hielt Kontakt zu bekannten Lauftrainern. So fuhren wir auch ab und zu nach Hamburg, um dort bei Max Syring, einer der Schüler von Arthur Lambert zu trainieren und zu lernen!

Wir führten nun vom Post SV ein Volkslauftraining durch und die Abteilung wurde zu einer Läufer- und Geherhochburg in Norddeutschland. Doch es kam wieder zu bösen Geschichte in Sachen menschenverachtender Behandlung verdienter Sportler. Ich hatte es gewagt, ein in die VL-Organisation eingebundenes Mitglied wegen seiner schlurigen Arbeit zu rügen. Nun war ich auf ewig sein Feindbild. Man integrierte gegen mich und da ich  beruflich kürzer treten musste, gab ich den Posten des Organisationsleiters ab. Gleichzeitig auch die Ämter als Pressewart des BLV bzw. Landestrainer für den Mittel- und Langstreckenlauf. Der liebe Sportkamerad wurde dann der Volkslaufwart von Bremen. Er hat sehr viel für den Breitensport getan, doch versaute immer wieder alles, was wir mühsam aufgebaut hatten. Die unheilvolle Allianz mit anderen Funktionären hat verhindert, dass Bremen zu einer der Läuferhochburgen (was es ja einige Zeit durch unsere Aktivitäten war) ausgebaut werden konnte.

Das war ein Dilemma, denn als der Abteilungsleiter, der ja auch gleichzeitig ein Funktionär des BLV war, die Organisation jahrelang innen  hatte, ging es kontinuierlich mit den Teilnehmerzahlen bergab. Obwohl weltweit  die Laufbewegung so richtig ins laufen kam, befanden sich die Bremer Laufveranstaltungen auf dem absteigenden Ast. Bis es dann 1977  beim Post SV  Volkslauf unter 800 Teilnehmer waren und man an meine Frau und mich herantrat, ob wir nicht helfen könnten. Was tun?  Weiter lesen im nächsten Abschnitt!
Da kommt dann auch der "Marathoni" ins Spiel. Den haben nämlich wir erfunden!

Fazit:
Auch wer nicht talentiert ist, kann mit Ausdauer + Beharrlichkeit viel erreichen!
Das mit der Ausdauer triff auch für andere Aufgaben in Deinem Leben zu! Du kannst viel bewirken.
Merke Dir auch noch das: Wenn Du Leistungssport betrieben hast und Dir die Gene zur effizienten Fettspeicherung in die Wiege gelegt wurden mußt Du nach der Aufgabe des Leistungtrainings sehr stark die Kalorienaufnah-me zurückfahren. Das betrifft auch die heutige Marathonlauf-Generation der Freizeitläufer, denn Marathon ist ein Leistungslauf und das Training dafür schaltet den Stoffwechsel hoch! Viele müssen nun ein Leben lang die Waage im Auge behalten! Auch darüber werde ich später schreiben.

 In der nächsten Folge:

"Wir bringen Bremen wieder zum Laufen"
                                                                                                                     

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