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1952 Laufen lernen!
"Mensch Heinz, fein dass du bei uns mitmachen willst" sagte mein Freund Klaus Bremer. Er war im Sommer Deutscher Jugendmeister über 3000 Meter in Kassel geworden. "Fast wäre das schiefgelaufen" erzählte uns Klaus, als wir ihn und seinen Trainer Willi Scherbarth vom Bremer Haupt-Bahnhof abholten. Hatten doch die beiden am Vortrag des Rennens den >Herkules< besichtigt und waren die vielen Stufen hoch- und runtergelaufen. Das hatte Klaus dann in Beinen gespürt. Sonst wäre er wohl unter 9 Minuten gelaufen. So waren es 9:02,2 Minuten aber was zählte war der Titel! Die 3000 Meter unter 9 Minuten... das war nun auch mein Ziel aber davon war ich Minuten entfernt. Bei den Läufen 1000 bis 3000 Meter im Sommer-Jugendlager war Klaus meistens immer 1 bis 2 Minuten vor uns im Ziel. Er war ein Riesentalent und dabei überhaupt nicht eingebildet. Ich begann im Oktober mit dem Lauftraining unter der Leistung von Willi Scherbath auch BLV-Lauftrainer für Mittel- und Langstrecke war. Der erste Testlauf auf der Bahn erbrachte 3:45 Minuten über 1000 Meter, was bewies, dass ich kein Lauftalent war und bin! Zweimal in der Woche war Hallentraining und dreimal wurde wöchentlich gelaufen. Im Winter immer im Waller Park auf einer Runde die 755 Meter lang war. Ein kleiner Hügel war in der Runde vorhanden. Auf den Straßen und Gehwegen wurde wenig gelaufen. Das hatte auch seinen Grund darin, dass wir sehr oft verhöhnt wurden. Wer mehr als 1500 m im Rennen lief hatte es bei den Funktionären fast immer schwer. Wir wurden als die Laufidioten bezeichnet. Zum Teil ist es heute noch so, weil viele Menschen nie in ihrem Leben lange Strecken gelaufen sind. Die von uns Langläufer erkämpften Volksläufe und die Stadtläufe mit der heutigen Marathoneuphorie haben aber dazu beigetragen, das die "blöden Langstreckenläufer" heute Anerkennung und Bewunderung erfahren.
1952: die ersten Rennen: Gut dass ich mein Lauf-Jahresbuch vor den Fluten des Hochwassers 1964 gerettet hatte. Es stand oben im Bücherregal. Die jahrelangen detaillierten Trainingsaufzeichnungen (Tag für Tag) waren von der Flut vernichtet worden. Doch die Auswertung standen ja Gott sei Dank im Jahrbuch. So kann man nachlesen, dass mein erstes Rennen über 800 bei den Bremer Hallenmeisterschaften mit dem letzten Platz (12.) in 2:37,7 endete. Doch siehe da: bei der Bahnheröffnung wurde ich Dritter über 5000 Meter in 18:24,6. Auf meiner Lieblingsstrecke lief ich im Juni 10:40,6 und wurde Vierter. Nun begann ich zu rechnen und sagte zur Verblüffung meiner Laufkameraden und meines Trainers voraus, dass ich in 5 Jahren unter 9 Minuten laufen würde. "Heinz dann mußt die Deinen Laufstil ändern und richtig laufen lernen!" sagte der Lauftrainer. "Du solltest jetzt viel barfuß auf dem Rasen laufen und erst dann die Spikes wieder anziehen, wenn Du barfuß die 400 Meter unter 63 Sekunden laufen kannst!" Ja, ja ich war zu langsam! Gesagt, getan nun lief ich fast das gesamte Trainingsprogramm ohne Laufschuhe und siehe da, der Knoten platzte! Vier Monate später verbesserte ich mich über 5000 Meter auf 16:43,0 und lief mit 9:45,6 die 3000 Meter erstmals unter 10 Minuten. Auch die 1000 Meter lief ich in einem Testlauf erstmals in 2:59,4 unter 3 Minuten. Keine bewegende Zeiten. Doch in Bremen konnte man sich damit sehen lassen. Das ich über eine gute Ausdauer verfügte, bewies der Stundenlauf zum Abschluß der Saison. Hier erreichte ich 15,862 Kilometer.
1953 Eintritt in den Polizeidienst Eine entscheidene Wende in meinem Leben war der Dienstantritt bei der Bereitschaftpolizei Bremen. Hier hatte man mich in die 1. Polizei-Handball-Mannschaft geholt. Doch bald wurde entdeckt, dass ich nicht nur gut laufen konnte. Im Schwimmen war ich in Bremen der Zweitschnellste bei der Polizei (Weittauchen u.a. 55 Meter!), im Pistolenschießen legte ich immer 12er-Serien hin. So wurde der Bundestrainer für den Modernen Fünf-Kampf auf mich aufmerksam und ich durfte zum Teil zweimal bis dreimal am Tag trainieren! Morgens um 6.00 Uhr konnte ich beim Frühsport alleine meine 5 km laufen. Vor- oder nachmittags wurde die zweite Trainingseinheit durchgeführt und oft am Abend die dritte TE! Wenn ich Wachdienst bis 22.00 Uhr hatte wurde eben gegen Mitternacht gelaufen. Nun hatte ich auch meine spätere Verlobte und Frau, die liebe Ingrid kennen gelernt! Das war meine große Liebe und Glücksfee, denn ich verbesserte nun "laufend" meine Leistungen. So wurde ich 1955 erstmals Bremer Meister über 5000 Meter und durfte 1956 mit zur Olympiade in Melbourne. Da ich im B-Kader der Modernen Fünfkämpfer war (Es gab ja noch eine gesamtdeutsche Mannschaft) hatte ich Betreuungsaufgaben bei den Fünfkämpfern und mal wieder im internationalen Jugendlager. Hier nahm ich an einen Vortrag von dem neuseeländischen Trainer Arthur Lydiard teil und kaufte auch dessen Broschüre "The Methode of Distance-Running". Mit dem Laufbuch von Toni Nett, waren das die ersten Bestände meiner Laufbibliothek, die später sich auf weit über 1000 Sportbücher vergrößerte. Ich entwickelte mit meinem Trainingskameraden Jens Pagels einen Mix aus langen Dauerläufen, so wie es Lydiard in seiner Broschüre beschrieb (er forderte bis zu 100 Meilen(!) pro Woche in der Vorbereitungsperiode) Hügelläufen und Tempoläufen. Auch das Intervalltraining von Emil Zatopek bauten wir in den Trainingsmix ein. Hinzu kam natürlich das Rasenlaufen, das läuferische Krafttraining und die Gymnastik mit Dehnübungen. Jens und ich machten aber wesentlich weniger Gymnastik und Dehnungen als unsere anderen Laufkameraden. Bevor die damit fertig waren, hatten wir schon über zehn Tempoläufe gemacht. Im Intervallraining liefen wir aber wohl zu schnell? 10 x 400 Meter um die 60 Sekunden mit 400 Meter Trabpause waren ganz schön hart bei einer Bestzeit um die 57! Wir liefen aber Gott sei Dank viel länger ein- und aus als üblich und das natürlich wie?... barfuß auf dem Rasen! Unser Wochenpensum lag so um die 120 Laufkilometer plus Schwimmen, Schießen, Reiten (leider nur einmal pro Woche) und Fechten. Das Handball spielen hatte ich aufgegeben. In der Polizeiausbildung wurde auch geboxt und Judo gelehrt. Daten: Ruhepuls nur 36 Schläge/Minute, Maximalpuls gemessen an der Universität Freiburg bei Prof.Reindell und dem Lauftrainer Woldemar Gerschler 223/Minute. Gewicht 61 kg bei 1,73 m Körpergröße. Empfohlender Kalorienverbrauch 4500 kcal. pro Tag! Ja das waren noch Zeiten!
Was haben wir hinzugelernt?
Wer eigene Ziele prophezeit hat sich in die Pflicht genommen!
Wir fortgesetzt in TM - Story V mit :1958 erstmals unter 9 Minuten
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Erste Stilstudien |
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