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»» TM-Story III 1950

Die Trainingsmixstory III
... die unendliche Geschichte läuft jetzt richtig an!
... Läufer, Läuferinnen, Trainer und Funktionäre aufgepasst!

1946 - 1960... mit TURA Bremen begann die sportliche Laufbahn!

"Heinz du musst dich bei einem Sportverein anmelden" sagte meine Großmutter. Sie dachte wohl, dass ich dort ein ordentlicher Junge würde. Meine Mutter war noch Kriegsgefangene in Italien und  wir Jungs waren  wohl durch den Überlebenskampf selbstbewusst und auch sehr eigensinnig.
Ich meldete mich bei der Turnabteilung von dem Turn- und Rasensportverein Bremen an. Das war ein entscheidender Wendepunkt in meinem Leben! Der Turnlehrer Hinnerk Mester war unser großes Vorbild und sehr streng mit uns. Zu Beginn der Turnstunde mussten wir in Reihe antreten und unsere Hände vorzeigen. Wer schmutzige Fingernägel hatte bekam eine Rüge. Auch die Haare sollten  ordentlich geschnitten sein!
Die Turnstunde begann immer mit dem Warmlaufen und anschließend wurde viel Gymnastik mit Dehnübungengemacht. Dann ging es an die verschiedenen Turngeräte. Zum Schluss gab es immer ein Ballspiel und anschließend wurde ausgelaufen! Hinnerk Mester war auch einer der besten Handballspieler von Bremen und Trainer der Handballabteilung von TURA.  Da mir das Ballspielen Spaß bereitete meldete ich mich auch bei der Handballabteilung an. Ich war zwar nicht sprintschnell aber dafür sehr ausdauernd. In der zweiten Halbzeit, wenn andere müde wurden, hatte ich keine Mühe mit schnelleren Spielern mitzuhalten. Vom "Kinderzirkus" brachte ich meine artistischen Jonglierkünste mit und war in der Ballbehandlung meistens überlegen. Mein gutes Reaktionvermögen kam hinzu und so spielte ich bald in der 1. Schüler- und dann in der 1. Jugendmannschaft. Hier wurde ich zum Mannschaftsführer gewählt. Zu meinen Aufgaben gehörte es auch durch Stichproben am Abend vor den Spielen zu kontrollieren, ob die Mannschaftskameraden ab 22.00 Uhr im Bett lagen!! Höhepunkt der Handballkarriere war die Teilnahme am europäischen Handballturnier in Barcelona als Mitglied der Jugend-Nationalmannschaft. Bald spielte ich in der ersten Herrenmannschaft von TURA. Auch hier wurde sehr hart trainiert und viel Lauftraining absolviert. Pflicht war wie immer bei Hinnerk Mester ein- und auslaufen! Das galt sowohl vor und nach dem Training bzw. vor und nach den Pflichtspielen! Hinnerk brachte uns auch bei ein Trainingstagebuch zu führen. Einmal im Monat wurde das kontrolliert.
Ich habe mein ganzes Leben nun Buch geführt und die Eintragungmethode so rationalisiert, dass in  ein bis drei Minuten der Tag protokolliert ist. Auch die Trainingsplanung wurde von mir so modifiziert, dass heute Jahrespläne innerhalb zwei Stunden erstellt werden können. Ohne das moderne Zeitmanagement hätte ich meine Leistungen und alle erfolgreich durchgeführten Projekte wohl nicht erreicht! Durch die Farbmarkierungen, mit den farbigen Trainingsbausteinen und den weltweit übernommen Kürzeln wird die Information blitzschnell aufgenommen, verbarbeitet und bleibt für immer im Gedächtnis! Versuche es einmal oder mache bei uns einen Laufkurs bzw. Lauf-Kompaktseminar mit. Auch auf unseren CD's findest Du genügend  Planformulare, Tabellen und ein kleines Zeitmanagement-Seminar! "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!"

Neben dem Sport hatte die Zimmermannslehre natürlich Vorrang. Meistens lief ich jeden Morgen 11 Kilometer zum Arbeitsplatz und abends zurück. Ich war immer schneller als die Straßenbahn, weil die ja viele Haltestellen hatte. Zum Erstaunen der Fahrgäste erreichte ich die Bahn immer wieder an den Haltestellen und bis die Bahn wieder anfuhr, war ich schon vorbei und einige Hundert Meter weiter. Das Spiel wiederholte sich dann von Haltestelle zu Haltestelle und bei der Umsteigestation war ich dann schon längst weiter. Das war ein gutes Ausdauertraining!
Krafttraininggab es auf dem Zimmereiplatz und auf dem Bau! Einen Lkw und Kräne hatte der Zimmereibetrieb noch nicht. Alle Balken wurden nach dem Abbund (das ist das Bearbeiten der Balken)  auf den Leiterwagen geladen und dann ging es zu Fuß quer durch Bremen zur Baustelle. Dort wurde abgeladen und die Balken mit einem kräftigen Seil  hochgezogen. Wenn Mauersteine, Dachpfannen oder Zement geliefert wurden, musste alles per Hand abgeladen werden. Die Steine wurden paarweise von Mann zu Mann weitergeworfen. Die Dachpannen wurden von uns, auf Leitern stehend, über Kopf nach oben weiter gereicht. Da schmerzten zu Anfang die immer schwerer werdenen Arme. Ich betrachtete dieses als gute Gymnastik mit Krafttraining. Oft musste ich nach Feierabend mit dem Leiterwagen, der mit Brettern für Gerüste usw.  beladen war, alleine zum Betrieb zurückfahren. Die Steigung vor der Weserbrücke kam ich kaum hoch, so dass mir  sehr oft der den Straßenverkehr regelnde Schutzmann dabei half. Hier wurden die Anfänge für das spätere Hügellauftraining gelegt!
Mir machte die Zimmerei sehr viel Spaß, doch mein Handballtrainer meinte, die Arbeit wäre für einen jugendlichen Leistungssportler zu schwer. Ich bekam in der Tischlerei bei Focke-Wulf eine Arbeitsstelle und konnte am frühen Nachmittag schon trainieren. Dass ich frühmorgens von Gröpelingen zur Arbeitsstätte die 11 km unter 45 Minuten lief, wollte mir keiner glauben. So kam es zu einer Wette und morgens fuhr ein Kontrolleur mit dem Fahrrad neben mir her. Natürlich gewann ich die Wette!
Olympiade in Helsinki... die Liebe zum Langstreckenlauf wird immer größer!
Ich fuhr als Betreuer für das internationale Jugendlager der Olympiade in Helsinki mit. Eines Tages bekamen wir Besuch von einer Delegation des Deutschen-Leichtathletik-Verbandes. Ein freundlicher Herr, der als Trainer von Herbert Schade vorgestellt wurde, war auch dabei. Erst später erfuhr ich, dass es Arthur Lambert, der Begründer der Wittenberger Laufschule war. Herr Lambert suchte einen Jungen, der ihm bei den Zurufen der Zwischenzeiten im 5000 Meter - Endlauf helfen sollte. Ich meldete mich sofort und wurde ausgewählt. Glück muss man haben, denn dadurch hatte ich einen Zuschauerplatz direkt an der Barriere der Laufbahn am Start der 5000 Meter. Ich bekam zwei Tafeln in die Hände. War das Rennen zu langsdam, sollte ich auf Zuruf von Herrn Lambert die weiße und wenn die Zwischenzeiten zu schnell waren, die rote Tafel hochhalten.
Es wurde das spannendste Rennen bei dieser Olympiade. Emil Zatopek (CER) hatte schon die 10000 Meter vor Alain Mimoun(FRA) gewonnen. Beide hatten, wie auch noch weitere Läufer im Feld also die 10.000 noch in den Beinen!  Herbert Schade war im Frühjahr mit 14:06,6 Min. Die Zeit hätte noch besser sein können, den Schade wurde die Schlussrunde angezeigt als noch zwei Runden zu laufen waren. Er hatte sich verausgabt und lief die letzte Runde nicht voll auf Spurt. Jahresweltbestzeit gelaufen und wurde als Favorit gehandelt. Gaston Reiff (BEL) hatte noch von der Olympiade 1948 in London (ohne deutsche Beteilgung) eine Rechnung offen. Dann waren da noch die schnellen Engländer Gordon Pirie, den sie "Mister Pustekuchen" nannten, weil der beim Laufen immer die Backen ausblies. Hinzu kam als zweiter Engländer Christower Chataway.

Das Jahrhundert-Rennen!
Herbert Schade übernahm bald die Führung und Emil  Zatopek trabte als Vorletzter in der Schlussgruppe. Na, ob das gut ging? Ich musste schon gleich die weiße Tafel hochhalten! Nach 5 Runden wechselte laufend die Führung. Auch Emil war plötzlich vorne, um wie er später sagte, Herbert in der Führung zu unterstützen. "Komm Herbert, komm!" rief er schnaubend und keuchend, das Gesicht zur Grimasse verzogen. Plötzlich die weiße Tafel! Reiff der alte Fuchs hatte den Braten gerochen und wollte das Tempo verlangsamen, um seine gefürchtete Spurtkraft am Ende auszuspielen. Doch das machten die 6 Läufer in der Führungsgruppe nicht mit und so begann das Wechselspiel von vorne. Die Zuschauer rasten, Emil keuchte, Herbertschaute verängstigt zu uns rüber. Chataway wurde ungeduldig und wollte immer wieder an die Spitze. Nur unser Mister "Pustekuchen" und Alain Mimoun liefen ohne eine Regung zu zeigen in der Gruppe mit. 3,5 km vor Schluss gab Reiff entnervt auf und Schade lies es nun zu, das Zatopek ab und zu die Führung übernahmen. Doch übernahm Emil sich nicht? Er stampfte und keuchte, schaukelte mit dem Oberkörper und hielt die Arme verkrampft vor der Brust. Nun hing auch noch die Zunge aus dem Mund und der Kopf wackelte hin und her. Es war grauenvoll! Eine Frau unter den Zuschauern weinte und wandte sich ab. Herr Lambert schüttelte immer wieder den Kopf und vergaß dabei auf die Uhr zu sehen. Nun ging es in die letzte Runde! Zatopek  wollte sich lösen. Doch dauernd wechselte die Führung. Schade vorne, dann Chataway, für einen kurzen Moment das Duo Pieri und Mimoun. Noch 200 Meter. Mensch ich werde ganz verrückt, wenn ich jetzt hier diese Zeilen schreibe und an die letzten 200 Meter denke. Was sollten da noch die Tafeln? "Schade... Schade" brüllten wir, doch das nützte nichts. Chataway geht noch einmal in Führung. Da... er tritt auf die Bahnabgrenzung und stürzt! Zatopek stürmt an die Spitze! Mimoun überläuft Schade. Noch 110 Meter. Zentimeterweise vergrößern sich die Abstände zwischen diesem Trio. Zatopek ist mit 14:06,6 im Ziel. Dahinter Mimoun in 14:07,4 und dann Schade. Er  gewinnt die Bronzemedaille in 14:08,6.  Die beiden Engländer Pirie und Chataway werden Vierter und Fünfter. Luft holen und dann die Läufer bejubeln! So einen Endlauf hatte die Welt noch nicht gesehen! Der letzte Kilometer wurde in damals sagenhaften 2.41,8 gelaufen!!
Heute sind die Zeiten bei den Kunststoffbahnen und dem leichten Schuhwerk 13:50 bis 13:56 Minuten wert. Die derzeitigen Weltklasseläufer wären eine Runde früher vor den Helden von Helsinki im Ziel! Alles ist schneller geworden, die Flugzeuge, Schnellzüge, Rennwagen und die Zeit? Sie rennt uns auch davon. Doch die Erinnerung an dieses großartige Rennen hat sich wohl bei bei allen, die dabei waren, ob Läufer, Kampfrichter, Trainer oder Zuschauer, unauslöschlich festgesetzt. Zatopek lief danach noch viele Weltrekorde. So als erster Mensch die 10.000 Meter unter 29 Minuten und die Stunde über 20 km.
Nun wollten wir alle wie Zatopek werden! Doch wie trainierte er? Wer mochte sich so quälen?
Darüber mehr im Kapitel IV und damit nähern wir uns nun bald der Lüftung des Geheimnis und Erfolges von Trainingsmix. Doch hole erst einmal Luft und lese später weiter!

Bildhinweis:
Unten findest Du das Bild von der dramatische Phase des 5000 Meter Endlauf in Helsinki. Ein weiteres Bild von dem Sportfotografen Gustav Schröder zeigt von links nach rechts: Emil Zatopek, Arthur Lambert, Herbert Schade, Max Syring und vorne sitzend Dr. van Aaken. Ich hatte das große Glück, alle kennen gelernt zu haben.

Was lernten wir aus Kapitel III ?

    Gute Trainer und erfolgreiche Läufer haben motivierende Vorlbildfunktionen!   

 Lese nun im nächsten Kapitel warum der erfolgreiche Trainingsmix auch für Dich gut ist! 

 


Laufvorbilder

Der Endlauf in Helsinki
 Der Endlauf in Helsinki

Das waren u.a. meine Vorbilder! Bildquelle IGL(Gustav Schröder)
 Das waren u.a. meine Vorbilder! Bildquelle IGL(Gustav Schröder)